Architektur

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Die Architektur Die Architektur

Die Architektur

Formsteine, Maßwerkfenster, Fialtürme

Die Marienkirche präsentierte sich bis zu den schweren Kriegszerstörungen 1945 als eine große lang gestreckte Hallenkirche von neun Jochen mit einem geraden Ostabschluss. Älteste Teile sind der aus Feldstein gemauerte Unterbau des Westturmes und seine nördliche Nebenhalle – Reste eines Vorgängerbaus aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Im letzten Viertel des 13. Jahrhunderts wurde ein großer Neubau aus Backstein begonnen und 1298 durch den Bischof von Havelberg geweiht. Man begann im Osten mit der großen Schaufassade. Die Ostwand spiegelt mit der Stellung der Strebepfeiler und der drei Maßwerkfenster die einstige Innenraumgliederung mit breitem Mittelschiff und zwei halb so breiten Seitenschiffen wider.

An den Ecken befinden sich polygonale Treppentürme, die zugleich die Funktion von Schrägstrebepfeilern haben. Bei dem prachtvollen Giebel gelang es durch den Einsatz einer Vielzahl von Formsteinen, den Reichtum einer Hausteinfassade auch mit der Backsteintechnik zu erzielen. Fünf Fialtürme gliedern das Giebeldreieck in vier Achsen, von denen die äußeren mit je einem, die inneren mit je zwei beieinander liegenden Maßwerkkleidern unter Wimpergen ausgefüllt sind.

Das wieder erwachende Interesse an gotisch-mittelalterlichen Bauwerken führte schließlich unter Großherzog Georg zu einer umfassenden Restaurierung. Dieser betraute in den Jahren 1832-1841 Friedrich Wilhelm Buttel, einen Schüler Schinkels, mit dieser Aufgabe. Sein Verdienst liegt darin, dass er bei Erhaltung der originären Bausubstanz fehlende Teile durch Neuschöpfungen im Stile der Gotik ergänzte, die zugleich als eigenständige produktive Leistung seiner Zeit, entsprechend dem herrschenden Geist der Romantik, hohen künstlerischen Rang hatten.

Im zweiten Weltkrieg wurde die Kirche stark beschädigt. Sie brannte bis auf die Umfassungsmauern  und Teile des Turmes aus. Im Jahre 1975 ging das Eigentum am Bauwerk auf die Stadt Neubrandenburg über. Seit dieser Zeit wurde mit großem Engagement eine Wiederherstellung und Neunutzung des Gebäudes verfolgt. Dazu waren bereits erste Pläne zum Ausbau der Marienkirche als Konzerthalle mit eingebauter Kunstgalerie im Dachgeschoss durch den Neubrandenburger Architekten Josef Walter erarbeitet worden. Diese bislang verfolgten Ausbau- und Planungskonzeptionen wurden 1995/1996 aus finanziellen Gründen aufgegeben, mit der Konsequenz eines europaweit ausgeschriebenen Wettbewerbes.

Der Entwurf, der dann den ersten Preis errang, stammte vom finnischen Architekten Prof. Pekka Salminen aus Helsinki, der in seiner Rede anlässlich der Eröffnung der Konzertkirche sein Werk wie folgt charakterisierte:

„… Ein Konzertsaal ist ein Raum, der dem Publikum sowohl akustische als auch visuelle Erlebnisse bereiten soll. Aus der Kombination der beiden Erlebnisformen wird die Stimmung eines Konzertbesuches geboren …“

„… Ich betrachte den Sichtbeton als den „Naturstein“ unseres Zeitalters, dessen hellgraue Oberfläche sich besonders gut mit dem warmen Ton der Backsteinziegel verbindet …“

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... Der ursprüngliche Innenraum der Kirche stellt zusammen mit dem Ziegelrelief des Ostgiebels die norddeutsche Backsteingotik in einer ihrer schönsten und reinsten Formen dar. Darüber hinaus bietet sie mit ihren Proportionen und der Struktur ihrer Ziegelwände die nahezu idealen akustischen und visuellen Voraussetzungen für die Planer eines Konzertsaales ...
Architekt Prof. Pekka Salminen
Secco Malerei
aus dem 13. Jahrhundert

Secco Malerei aus dem 13. Jahrhundert

An der Westwand des Kirchenschiffes befindet sich die einzige in der Marienkirche erhaltene Wandmalerei. Das Mauerwerk in diesem Bereich zählt zu den ältesten Teilen des Gebäudes, es stammt aus dem 13. Jahrhundert.

Das Wandbild zeigt eine Weltgerichtsdarstellung. Diese Darstellung bezieht sich auf die Offenbarung des Johannes im Neuen Testament und stellt Christus als Weltenrichter am jüngsten Tag dar. Das Wandbild wurde vermutlich in Zusammenhang mit der weitgehenden Fertigstellung der Kirche im frühen 14. Jahrhundert gemalt. Wohl spätestens im Gefolge der Reformation im 16. Jahrhundert kam es zur flächigen Überstreichung des Bildes und so geriet es in Vergessenheit. Bei späteren Renovierungen wurde die Wand noch mehrfach überstrichen.

In Folge der schweren Zerstörungen, die dem Gebäude im Zweiten Weltkrieg zugefügt worden waren, kamen auch Teile der Wandmalerei wieder zum Vorschein. Mit der restauratorischen Sicherung des Bestandes konnte erst 1998 begonnen werden.

Als Schäden waren große Putzfehlstellen, Risse und umfangreiche Putzlockerungen festzustellen, die weitere Verluste befürchten ließen.
Die ausgeführte Restaurierung verzichtet bewusst auf wesentliche Ergänzungen oder gar Überarbeitungen der Malerei. Ziel war die Sicherung und Bewahrung des historischen Bestandes und die zurückhaltende farbige Einstimmung der Fehlstellen, so dass sie nicht als Störungen in den Vordergrund treten.

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